Zweimal Rückbesinnung: Der Ramadan im Reformationsjahr

Was haben Ramadan und Reformation miteinander zu tun? Leider bisher viel zu wenig. Christen denken im Allgemeinen selten an die Reformation, zur Zeit etwas mehr, wegen besonderer Feiertage die das Thema medienwirksam durch alle denkbaren Kanäle in die postmoderne säkularisierte Öffentlichkeit bringen.
Hingegen denken die 1.5 Milliarden Muslime jedes Jahr intensiv an den Ramadan - unabhängig davon, ob sie sich nun daran halten von Sonnenaufgang bis zum Eindunkeln nichts zu konsumieren oder ob sie mit einem schlechten Gewissen heimlich essen & trinken oder gar die islamische Welt fluchtartig Richtung Europa verlassen.

Umma - die große muslimische Familie gibt Geborgenheit, Zugehörigkeitsbewußtsein, Identität und Selbstwertgefühl
Der Ramadan ist im Erleben der durchschnittlichen muslimischen Familie in erster Linie ein Monat der Gemeinschaft, der Familie, der besonderen Zuwendung Gott und seinen Werten gegenüber, eine Rückbesinnung auf den Quran als Quelle des Islam, die Erneuerung der eigenen Wurzeln. Der Ramadan ist eine Zeit der Freude und des Feierns, in keiner Weise vergleichbar mit der Fastenzeit vor Ostern die sich in der westlichen christlichen Kirche eingebürgert hat:
Während bei uns das ausgelassenene Feiern und die Geselligkeit der Karnevals- und Faschingzeit mit dem Aschermittwoch beendet sind und der Fastenzeit vor Ostern Raum geben, quälen sich unsere muslimischen Freunde 30 Tage lang tagsüber durch die Läuterung des Fastens, um die Nächte in einer begeisterten Stimmung zwischen Weihnacht und Fas(t)nacht zu verbringen!
Es geht um eine reinigende Wiederherstellung der islamischen Identität des Einzelnen als Teil der Gemeinschaft - darum wird sich in dieser Fastenzeit jeder Muslim magisch zur Gemeinschaft anderer Muslime hingezogen fühlen.

Läuterung? Erneuertes persönliches Zugehörigkeitsbewußtsein? Reinigende Wiederherstellung? Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln? Die Sehnsucht hinter diesen Anliegen entspricht dem Wunsch, den wir von Calvin, Zwingli und Luther überliefert bekommen haben und mit dem Wort Reformation zusammenfassen!

Martin Luther und der Quran
Das Reformationsjahr begehen bedeutet für uns als Bibelgläubige in diesem Sinne auch, sich neu des Auftrags zu besinnen, für den die klassischen Reformatoren in ihrer Zeit leider keine Sendungstrukturen eingerichtet haben, der ihnen aber am Herzen lag:
Martin Luthers Ermahnung den Quran zu lesen, hatte zum Ziel den Islam zu verstehen und so den Muslimen gute Antworten aus der Bibel geben zu können.  Diese Aufforderung ist traurigerweise in der von ihm reformierten Kirche damals nicht in erwünschtem Maße umgesetzt worden. Interessant ist, das der Reformator seinen Leseauftrag nicht in einem vergessenen Brief an einen unbedeutenden Freund geschrieben hat, sondern im Vorwort der weltweit ersten gedruckten Ausgabe des Quran, die er persönlich veranlasst hatte: Es ging ihm um die „Verkündigung des christlichen Glaubens und die Kirche“. Hat die reformierte Kirche tatsächlich vergessen, daß sie von Luther persönlich den Quran zu diesem Zweck als Lektüre empfohlen bekommen hat? Dann ist es in einem der Reformation geweihten Jahr besonders wesentlich, das sich die Reformierten mit dem Ramdan auseinandersetzen.
Der Höhepunkt des Ramadan feiert in der „Nacht der Macht“ die Offenbarung des Quran - die wichtigste Grundlage der islamischen Überlieferung.
Wir müssen im Gegensatz zu Luther nicht die Theorie lesen um die Muslime, die Praktizierenden des Islam zu verstehen. Luther hatte rein praktisch keinen Zugang zu muslimischen Freunden, die er hätte fragen können, für die er hätte beten und mit denen er eine Beziehung hätte aufbauen können. Aber wir haben diesen Zugang, denn die Muslime sind in unserer Mitte!

Reformation:  Back to the Future - Rückbesinnung, Neuausrichtung und Hinwendung
Wir wollen den Ramadan im Reformationsjahr 2017 ganz besonders der Aufgabe weihen, uns den Muslimen zuzuwenden, um ihnen zu Freunden zu werden. Ebenso wollen wir uns in diesem Monat Ramadan neu dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus zuwenden, ihn anbeten und ihm danken für das, was er in der islamischen Welt seit 1517 getan hat. Und wir wollen ihn bestürmen, daß die gute Botschaft, das rettende Evangelium in unserer Zeit noch vielen Muslimen zum Segen und Heil dient. Denn nicht Angriff, sondern Zuwendung ist die beste Verteidigung der Kirche.
Wir wollen ins unserer Zeit neu die reformatorische Verantwortung wahrnehmen und um ein erneuertes Verständnis für Apologetik (ἀπολογίαν) ringen:

Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;  heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung
(= Apologetik!) vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Ehrfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.  1.Petrus 3.15

 
Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen
Der Unterschied zwischen Muslimen und dem Islam liegt auf der Hand:
Die Angst vor dem Islam ist so alt wie der Islam selbst - als Muhamad, der erste Muslim nach seiner ersten Offenbarung nach Hause kam, hat er seiner Frau diese Angst bekannt. Aber wir wollen die Menschen die im Islam leben nicht fürchten, sondern uns ihnen zuwenden und ihnen von unserer Hoffnung und Heilsgewissheit berichten. Wir wollen Muslime nicht bekämpfen sondern bereit sein zu leiden damit sie auf ihre Fragen, die sie kaum zu stellen wagen, Gottes Antwort von uns hören können: Jesus Christus, die Mitte und das Ziel der Reformation, ist der Weg zurück zu Gott. In diesem Sinne wünschen wir euch und euren muslimischen Freunden: „Ramadan Qarim Wa Mubarak“  einen gesegneten und gnadenreichen Monat!


Bildquelle
https://dl.wdl.org/9922/service/9922.pdf

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