Weihnachtsfeier mit asylsuchenden Frauen und Migrantinnen

Alles ist festlich geschmückt. Meine Mitarbeiterinnen und ich beten, dass die Gegenwart Gottes spürbar sein wird für alle, welche in unser Haus kommen werden, um mit uns das Frauen-Weihnachtsfest zu feiern. Das Handarbeitsatelier auf unserem Dachboden habe ich in eine Weihnachtsstube verwandelt. Es ist der 17. Dezember, Montagnachmittag um zwei. Der erste Ankömmling  ist eine türkische Kurdin. Ihre Augen strahlen vor Überraschung. Dann kommen die anderen nach und nach. 23 Frauen und 4 Kinder. Einige Frauen kommen mit Schüsseln voller fremder Köstlichkeiten. Ein herrlicher Duft erfüllt den Raum.  Ist das der Wohlgeruch zu Gottes Ehre?
 
Ich begrüsse die vielen Frauen, welche fast andächtig im Raum sitzen, indem wir sonst eifrig arbeiten, lachen und schwatzen. Es ist fast eine heilige Atmosphäre.  Ich heisse alle willkommen zu dieser besonderen Geburtstagfeier. Zusammen mit Regina spiele ich auf der Blockflöte und spontan als Chor singen die Schweizer Frauen einige Weihnachtslieder. Nie geübt und doch so schön. Dann erzähle ich die Weihnachtsgeschichte mit einem Bilderbuch der KEB, „Jesus kam für mich“. Den besonderen Schwerpunkt lege ich dieses Mal auf die Begegnung der Engel mit den Hirten. Die gute Botschaft „ Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus Euer Retter!“ empfingen als erste die Hirten auf den Feldern zu Bethlehem. Nicht die Mächtigen und Intelligenten, nicht die Reichen und die Schönen, nein die Menschen am Rande, die Verachteten, die Ausgestossenen. Diese Tatsache macht das Wesen Gottes sichtbar. Bei ihm gibt es keine Randständigen. Bei ihm gilt: Was klein ist vor der Welt, das hat Gott erwählt. Oder wie es im Korintherbrief steht: Gott hat die Schwachen auserwählt, um die Starken zu beschämen. Auch die asylsuchenden Frauen und Migrantinnen fühlen sich oft als Menschen am Rande unserer Gesellschaft.  Jesus kam genau für sie.
 
Hirten und Schafe spielen eine grosse Rolle in der Bibel. Im Psalm 23 wird Gott als der gute Hirte beschrieben und wir Menschen seine Schafe. Derselbe Jesus, dessen Geburtstag wir feierten, sagte später von sich selbst, dass er der gute Hirte sei. Er möchte uns wohl tun und uns den rechten Weg führen hin zum Hause des Herrn. Diese Botschaft bewegte die Herzen der Frauen. Diese Botschaft verstanden sie.
 
Das internationale Weihnachtsessen schmeckt herrlich.  Lange sitzen wir zusammen und geniessen die Gemeinschaft. Auf dem Heimweg fragt eine Muslimin eine Eritreerin: „ Was ist das Besondere im Haus von Elisabeth, warum ist sie so nett mit uns und wir müssen nicht einmal bezahlen?“ „Elisabeth hat Kontakt mit Gott“, erklärt die Afrikanerin.
Heute, wo ich diesen Artikel schreibe, ist der 10. Januar 2013. Gestern entschied sich dieselbe Muslimin, dass sie auch an unserem Bibelgesprächskreis teilnehmen möchte. Halleluja!
E.B.
 

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